Die gemeinsame Wurzel: Crazy Eights
Tschau Sepp und Mau-Mau teilen sich denselben Stammbaum. Beide stammen vom amerikanischen Spiel Crazy Eights ab, das sich um 1939 verbreitete. In Deutschland wurde daraus Mau-Mau, in der Schweiz Tschau Sepp. Dieselbe Grundidee, andere Tradition.
Wer Mau-Mau kann, kann auch Tschau Sepp innerhalb von 5 Minuten. Es lohnt sich aber, die Unterschiede zu kennen, denn ein Mau-Mau-Spieler in einer Schweizer Runde wird zwei oder drei Mal stutzen.
Unterschied 1: Die Karten
Mau-Mau wird klassisch mit deutschem oder französischem 32er-Blatt gespielt. Tschau Sepp nutzt das Schweizer Jass-Deck mit 36 Karten, das die Werte 6 bis Ass enthält und vier eigene Farben hat: Eichel, Schellen, Rosen und Schilten. Das ist nicht nur Optik: die zusätzlichen 6er-Karten machen das Deck etwas dicker und das Spiel um den Tick länger.
Unterschied 2: Die Ausrufe
Bei Mau-Mau heisst es bei der vorletzten Karte "Mau", bei der letzten "Mau-Mau". Bei Tschau Sepp dagegen: "Sepp" bei der vorletzten, "Tschau" bei der letzten. Die Reihenfolge ist invertiert: das einsilbige Wort kommt zuerst, dann das längere. Bei Mau-Mau ist es umgekehrt.
Etymologisch ist Tschau Sepp ein Abschiedsgruss: "Tschau" (von Ciao) plus "Sepp" (Kurzform von Josef). Wörtlich also "Auf Wiedersehen, Sepp".
Unterschied 3: Die Spezialkarten
Mau-Mau hat regional sehr verschiedene Sonderregeln, oft mit der Pik-7 als Strafkarte und der Herz-Dame als 4-Karten-Strafe. Tschau Sepp hat einen kompakteren, standardisierten Spezialkarten-Kanon:
- 7: Strafkarte +2 (wie meistens in Mau-Mau)
- 8: Aussetzer (in Mau-Mau oft die 9)
- Bube/Under: Wunschkarte (in Mau-Mau oft der Bube)
- Ass: Muss vom selben Spieler gedeckt werden mit Ass, gleicher Farbe oder Under
Die Ass-Cover-Pflicht ist eine typische Schweizer Eigenheit: Wer ein Ass spielt, muss es selbst decken. Das schafft spannende Endspiel-Situationen ohne dass eine einzelne Karte das ganze Spiel dominiert.
Unterschied 4: Die Spielkultur
Mau-Mau ist in Deutschland eher ein Familien- und Kinderspiel. Tschau Sepp ist in der Schweiz ein Brückenspiel: Kinder lernen es, aber Erwachsene spielen es genauso ernsthaft, oft als Aufwärm-Runde vor dem "richtigen" Jass. Tschau Sepp ist deshalb in der Schweiz allgegenwärtig: in Zugfahrten, Skihütten und am Stammtisch.
Welches ist besser?
Geschmackssache. Tschau Sepp hat den Vorteil der echten Jasskarten und damit das authentische Schweizer Karten-Erlebnis. Mau-Mau ist international bekannter und hat regional viele kreative Hausregel-Varianten.
Wenn du in der Schweiz bist oder mit Schweizer Freunden spielst: Tschau Sepp ist die naturliche Wahl. Wenn du Karten-Spiel-Geographie erweitern willst: probier beide.
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