Tschau ist nicht Schweizerdeutsch
Erste Überraschung: "Tschau" ist nicht ursprünglich ein Schweizer Wort. Es stammt aus dem italienischen "Ciao", einer Verkürzung von "schiavo vostro", was so viel bedeutet wie "Ihr ergebener Diener". Aus diesem überschwänglichen Gruss wurde im 19. Jahrhundert in Norditalien der lockere Alltagsausdruck "Ciao".
Über die italienischsprachige Schweiz und durch Migration verbreitete sich "Ciao" im 20. Jahrhundert in der Deutschschweiz. Schreiben tun wir es mittlerweile lautmalerisch "Tschau". Es kann sowohl "Hallo" als auch "Auf Wiedersehen" bedeuten, im Schweizer Kontext meist Letzteres.
Sepp ist klassisch alpenländisch
"Sepp" ist eine Kurzform von Josef. Im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Sprachraum war Josef bis weit ins 20. Jahrhundert einer der häufigsten Männer-Vornamen, oft als Sepp, Seppl oder Sepperl abgekürzt.
In der Schweiz hat Sepp einen besonderen Klang: bodenständig, volkstümlich, fast archetypisch. Wenn ein Schweizer "Sepp" sagt, schwingt eine Mischung aus Sympathie und Trotz mit.
Warum gerade dieser Name für ein Kartenspiel?
Hier wird es spekulativer. Es gibt drei Theorien:
Theorie 1: Wirtshaus-Folklore
Die populärste Theorie: in einem Wirtshaus in den 1930er-Jahren spielten Männer das Kartenspiel, und einer von ihnen hiess Sepp. Wenn er als Erster fertig war, riefen die anderen "Tschau Sepp" als Verabschiedung, weil er die Runde gewonnen hatte und nicht mehr weiterspielen musste. Der Ausruf blieb hängen, das Spiel bekam seinen Namen.
Theorie 2: Lautmalerei
Die nüchterne Variante: "Tschau" und "Sepp" sind beide kurz, klingen gut zusammen und kommen über die Zunge. Dass es phonetisch eine Steigerung gibt (kurz "Sepp", dann das längere "Tschau" am Schluss), könnte einfach Sprach-Ästhetik sein, ohne tiefere Geschichte.
Theorie 3: Aus Italien importiert
Eine dritte Theorie verweist auf das italienische Pendant "Ciao Sepp" oder regionale Varianten in Italien. Da "Ciao" italienisch ist und Tschau Sepp in der italienischsprachigen Schweiz auch verbreitet ist, könnte der Name aus dem Tessin eingewandert sein.
Was ist gesichert?
Wirklich belegt ist wenig. Sicher ist nur:
- Das Spiel selbst stammt vom amerikanischen Crazy Eights ab.
- Die Schweizer Form mit Jasskarten und den Ausrufen Tschau und Sepp ist seit den 1930er-Jahren dokumentiert.
- "Sepp" als Allerwelts-Name machte das Spiel im Volksmund sympathisch und niederschwellig: jeder kann sich einen Sepp vorstellen.
Bonus: #TschauSepp im Internet
Eine kuriose Wendung erfuhr der Name 2015, als FIFA-Präsident Sepp Blatter seinen Rücktritt ankündigte. Auf Twitter und in Schweizer Medien explodierte der Hashtag #TschauSepp als Wortspiel: Tschau (Auf Wiedersehen) + Sepp (Blatter). Selbst die Tagesschau titelte so. Das Spiel und der Mensch haben sich kurzzeitig überlagert.
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